Seit 1907 Pädagogik, Kultur & Sport

Für Jugendliche

Zoff mit der Sippe, Knatsch in der Schule, 
Stress mit der Clique und was jetzt?
"Ich will nur noch weg, weg, weg ... !"
oder: Wie kommt man in ein Heim?


Zunächst erst einmal: Mit  Problemen wie "meine Eltern haben mich rausgeschnissen, ich bin 15 und schwanger, ich kann mit meinem Stiefvater / meiner Stiefmutter nicht mehr etc." stehst Du nicht alleine da!

Wenn gar nichts mehr geht, dann wende Dich an das Jugendamt, manchmal arbeiten die Leute vom Jugendamt auch in einer Institution die Amt für Soziale Arbeit oder Sozialstation oder Sozialrathaus oder so ähnlich heißt.

Die Telefonnummer findest Du im Telefonbuch oder im Internet meist unter "Stadtverwaltung" oder "Gemeindeverwaltung".

Deine Fragen

Fragen sind willkommen und werden gern beantwortet:

Sende eine e-Mail an: 
Anita Ungeheuer-Eicke: unei@johannesstift.de  
oder an
Uta Basting: basting@johannesstift.de

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Wenn Du erst mit jemandem über Deine Probleme sprechen möchtest, kannst Du auch von überall das Kinder- und Jugendtelefon anrufen unter der kostenlosen Nummer

0800 - 1110333

Lass Dir den zuständigen Ansprechpartner vom Jugendamt nennen. Du kannst Dich ruhig trauen anzurufen, man wird Dir zuhören, denn es gibt gesetzliche Regelungen, dass Dir bei Deiner Entwicklung Hilfe und Unterstützung angeboten werden muss, wenn Deine Eltern - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr weiterhelfen können.

Deine Rechte stehen im Kinder- und Jugendhilfegesetz der Bundesrepublik Deutschland. Das KJHG (auch Sozialgesetzbuch - Achtes Buch, kurz SGB VIII genannt) gilt für jedes Kind und jeden Jugendlichen, die in Deutschland leben - auch dann, wenn sie oder er eine andere Staatsangehörigkeit hat.

Dort sind viele Hilfen geregelt. Viele davon werden Deinen Eltern, bzw. den für Dich zuständigen Menschen angeboten. Wenn Du aber in großer Gefahr bist (vielleicht wirst Du geschlagen, gequält, oder sexuell ausgebeutet, oder Du bist auf der Straße und weißt nicht mehr, wo Du hin sollst), dann kannst Du auch sofort in Schutz genommen werden. Amtlich ausgedrückt heißt das: "in Obhut genommen werden". In Wiesbaden gibt es hierfür eine Mädchenzuflucht namens Intakt. Bei INTAKT können Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren vorübergehend wohnen.
 Du musst anrufen, sie sind rund um die Uhr erreichbar:

Telefon (0611) 80 80 88

 

Von den vielen übrigen  Hilfen im KJHG, die für Dich und Deine Familie angeboten werden, ist eine die Heimerziehung. Sie ist mit Kosten verbunden und wird von dem zuständigen Jugendamt (Sozialstation usw.) dann gewährt, wenn es nach Gesprächen mit Dir und Deiner Familie richtig zu sein scheint, dass ihr zunächst einmal getrennt voneinander Euer Leben gestaltet.

Was bedeutet "Heimerziehung" eigentlich?

Heimerziehung heißt heute, dass Du mit anderen Kindern oder Jugendlichen Deines Alters in einer Wohngruppe zusammenlebst. Wenn Du älter und selbständiger bist, dann kann das auch heißen, Leben in einem Appartement oder in einer eigenen Wohnung.

Bei uns gibt es viele verschiedene Wohngruppen. Diese sind im ganzen Stadtgebiet von Wiesbaden verteilt. Meistens handelt es sich um ein freistehendes Haus mit mehreren Wohnetagen und einem kleinen Hof oder Garten. Von außen unterscheidet es sich nicht im Geringsten von einem normalen Wohnhaus, ist also nicht als "Heim" erkennbar.

In manchen unserer Wohngruppen wohnen nur Mädchen, in anderen leben Mädchen und Jungen verschiedenen Alters zusammen. Du hast in jedem Fall ein Zimmer für Dich. Dir wird immer ein persönlicher Betreuer oder eine Betreuerin (manchmal sind es auch zwei) zur Seite gestellt. Sie sind für Dich da, helfen Dir herauszufinden, wo es lang geht und haben ein offenes Ohr für Deine Schwierigkeiten. Mit denen kannst Du Dich auch mal richtig "zoffen". Sie werden Dich nicht in die "Wüste" schicken, sondern mit Dir auch Krisen meistern.

Wichtig ist, dass Du mitmachst und Dich einlässt - auch wenn es manchmal Zeit braucht, wieder einem Erwachsenen zu vertrauen. Wer es schon geschafft hat, viele Schwierigkeiten anzugehen und jetzt selbstständiger werden will, der kann das eigenverantwortliche Leben in einem Trainingsappartement oder in der ersten "eigenen Bude" einüben.

Wenn Du mehr über die verschiedenen Wohngruppen wissen willst, dann kannst Du Dich weiter hier auf den Seiten des Johannesstiftes umsehen. Lass Dich nicht von der Sprache beeindrucken, in der viele dieser Seiten geschrieben sind! Wie die meisten Berufe, so haben auch Erzieher und Pädagogen eine Fachsprache entwickelt, die sie oft benutzen, wenn sie sich untereinander etwas mitteilen wollen, weil sich manche Dinge auf diese Art genauer beschreiben lassen. Wir können aber alle auch ganz normal reden!

Wie sieht das Leben in einer Wohngruppe aus?

Wenn Menschen zusammenleben, sind Regeln notwendig. So ist das auch bei uns. Es gibt bei uns drei ganz wichtige Grundsätze:

  • Wir wünschen Dir, dass Du etwas für Dein zukünftiges Leben lernst und die richtigen Schritte zur Selbstständigkeit machst: Du sollst eine gute Schule besuchen können und einen richtigen Beruf lernen, mit dem Du Geld verdienen kannst. Wenn das nicht gleich klappt, werden wir mit Dir gemeinsam suchen und herausfinden, welche Schule oder Ausbildung für Dich die beste ist.
  • Wir dulden keine Gewalt.
  • Wir wollen keine Drogen.

Jede Gruppe hat mit den Jugendlichen zusammen ihr eigenes zusätzliches Regelwerk entwickelt: Es werden Dinge vereinbart wie Ausgang, Taschengeld, Saubermachen u.s.w. Es gibt regelmäßig Gruppenabende, wo alle anstehenden Schwierigkeiten besprochen werden. Meistens wird selber gekocht und auch der Hausputz wird größtenteils von Jugendlichen und Betreuerinnen und Betreuern erledigt.

Hilfe und Unterstützung erhältst Du, wenn es in der Schule nicht klappt, wenn Du Probleme mit Deinen Freunden und Freundinnen, oder mit Leuten aus Deiner Familie hast. Also bei allem, was Dich belastet.

Einmal im Jahr fährt die Gruppe gemeinsam in Urlaub. Du kannst, wenn Du willst, auch allein Urlaub machen. Das wird mit Dir und Deinen Eltern, manchmal auch mit dem Jugendamt abgesprochen werden.

Kann ich mitreden und mitentscheiden, wenn es um mich geht??

Unbedingt! Es ist uns besonders wichtig, Dich in allen Fragen zu beteiligen, die Dich und Dein Leben bei uns betreffen. Du wirst bei allen Gesprächen, in denen es um Deine Zukunft, Deine Wünsche und Deine Ziele geht, immer beteiligt!

Außerdem gibt es bei uns Gruppensprecher/-innen, welche jede Gruppe für sich wählt. Die Gruppensprecher bilden den Heimrat. Wenn es Konflikte unter den Jugendlichen gibt, dann werden diese in der Regel in einem Streitschlichtungsgespräch durch die jungen Menschen selbst geregelt.


Für diese wichtigen Aufgaben wirst Du bei uns in einem Training ausgebildet!

Was ist, wenn ich in der Schule nicht klarkomme, keine Lehrstelle finde?

Da schalten wir uns ein. Wir reden mit Dir, Deinen Lehrern und Deinen Ausbildern, wir schreiben mit Dir Bewerbungen. Wir klären mit Dir, mit Deinen Eltern und Deinem Jugendamt, ob für Dich vielleicht unsere eigene Schule, oder unser Ausbildungszentrum in Frage kommt. Bei uns kannst Du auch, wenn es "draußen" erst mal nichts wird, den Hauptschulabschluss machen, oder sogar einen Beruf erlernen.

Gibt es Rechtshilfe, wenn ich in ein Heim möchte,
aber die Hilfe verwehrt wird?

Zunächst gehen wir davon aus, dass die für Dich zuständigen Stellen gute Entscheidungen treffen und Dir ein gutes Hilfeangebot machen.

Aber es gibt eine sogenannte "Ombudsstelle für Kinder- und Jugendrechte in Hessen e. V." An diese kannst Du Dich oder können Deine Eltern sich wenden, wenn der Verdacht besteht, dass Eure Rechte nicht gewahrt werden und eine notwendige Hilfe nur aus Kostengründen verweigert wird. Dort wird geprüft, ob Deine Vermutung richtig sein könnte und es wird zwischen Dir und dem "Amt" vermittelt.

Nimm Dein Leben in die Hand - wir wünschen Dir die richtige Einstellung - gute Begegnungen mit tollen Menschen und die nötigen Hilfen, damit Dein Leben gelingt.

Anita Ungeheuer-Eicke / Uta Basting
Erziehungsleiterinnen