Zoff mit der Sippe, Knatsch in der Schule, Stress mit der Clique und was jetzt?
"Ich will nur noch weg, weg, weg ... !"

oder: Wie kommt man in ein Heim?

Zunächst erst einmal: Mit solchen Problemen stehst Du nicht alleine da! Wenn gar nichts mehr geht, dann wende Dich an das Jugendamt, manchmal heißt es auch Sozialstation oder Sozialjugendamt.

Die Telefonnummer findest Du im Telefonbuch unter "Jugendamt", sonst unter "Stadtverwaltung" oder "Gemeindeverwaltung". Du kannst auch von überall das Kinder- und Jugendtelefon unter der kostenlosen Nummer 0800 - 1110333 anrufen. Lass Dich weiterverbinden! Du kannst Dich ruhig trauen anzurufen, die Leute dort sind meistens okay. Sie sind verpflichtet, Dir zuzuhören und Dir bei Gefahren in Deiner Entwicklung Hilfe und Unterstützung anzubieten.

Du musst gar nicht unbedingt vorher telefonieren. Du kannst auch einfach hingehen !

Dein Recht darauf steht im Kinder- und Jugendhilfegesetz der Bundesrepublik Deutschland. Das gilt für jedes Kind und jeden Jugendlichen, die in Deutschland leben - auch dann, wenn sie oder er eine andere Staatsangehörigkeit hat.

Dort sind viele Hilfen geregelt. Viele davon werden Deinen Eltern, bzw. den für Dich zuständigen Menschen angeboten. Wenn Du aber in großer Gefahr bist (vielleicht wirst Du geschlagen, gequält, oder sexuell ausgebeutet, oder Du bist auf der Straße und weißt nicht mehr, wo Du hin sollst), dann kannst Du auch sofort in Schutz genommen werden. Amtlich ausgedrückt heißt das: "in Obhut genommen werden".

Von diesen Hilfen für Dich und Deine Familie ist eine die Heimerziehung. Sie ist mit Kosten verbunden und wird von dem zuständigen Jugendamt (Sozialstation usw.) dann gewährt, wenn es nach Gesprächen mit Dir und Deiner Familie richtig zu sein scheint, dass ihr zunächst einmal getrennt voneinander Euer Leben gestaltet.


Was bedeutet "Heimerziehung" eigentlich?

Heimerziehung heißt heute, dass Du mit anderen Kindern oder Jugendlichen Deines Alters in einer Wohngruppe zusammenlebst. Wenn Du älter und selbständiger bist, dann kann das auch heißen, Leben in einem Appartement oder in einer eigenen Wohnung.

Bei uns gibt es viele verschiedene Wohngruppen. Diese sind im ganzen Stadtgebiet von Wiesbaden verteilt. Meistens handelt es sich um ein freistehendes Haus mit mehreren Wohnetagen und einem kleinen Hof oder Garten. Von außen unterscheidet es sich nicht im Geringsten von einem normalen Wohnhaus, ist also nicht als "Heim" erkennbar.

In manchen unserer Wohngruppen wohnen nur Mädchen, in anderen leben Mädchen und Jungen verschiedenen Alters zusammen. Du hast in jedem Fall ein Zimmer für Dich. Dir wird immer ein persönlicher Betreuer oder eine Betreuerin (manchmal sind es auch zwei) zur Seite gestellt. Sie sind für Dich da, helfen Dir herauszufinden, wo es lang geht und haben ein offenes Ohr für Deine Schwierigkeiten. Mit denen kannst Du Dich auch mal richtig "zoffen". Sie werden Dich nicht in die "Wüste" schicken, sondern mit Dir auch Krisen meistern.

Wichtig ist, dass Du mitmachst und Dich einlässt - auch wenn es manchmal Zeit braucht, wieder einem Erwachsenen zu vertrauen. Wer es schon geschafft hat, viele Schwierigkeiten anzugehen und jetzt selbstständiger werden will, der kann das eigenverantwortliche Leben in einem Trainingsappartement oder der ersten "eigenen Bude" einüben.

Wenn Du mehr über die verschiedenen Wohngruppen wissen willst, dann kannst Du Dich weiter hier auf den Seiten des Johannesstiftes umsehen. Lass Dich nicht von der Sprache beeindrucken, in der viele dieser Seiten geschrieben sind! Wie die meisten Berufe, so haben auch Erzieher und Pädagogen eine Fachsprache entwickelt, die sie oft benutzen, wenn sie sich untereinander etwas mitteilen wollen, weil sich manche Dinge auf diese Art genauer beschreiben lassen. Wir können aber alle auch ganz normal reden!


Wie sieht das Leben in einer Wohngruppe aus?

Wenn Menschen zusammenleben, sind Regeln notwendig. So ist das auch bei uns. Es gibt bei uns drei ganz wichtige Grundsätze:

  • Wir wünschen Dir, dass Du etwas für Dein zukünftiges Leben lernst und die richtigen Schritte zur Selbstständigkeit machst: Du sollst eine gute Schule besuchen können und einen richtigen Beruf lernen, mit dem Du Geld verdienen kannst. Wenn das nicht gleich klappt, werden wir mit Dir gemeinsam suchen und herausfinden, welche Schule oder Ausbildung für Dich die beste ist.
  • Wir dulden keine Gewalt.
  • Wir wollen keine Drogen.

Jede Gruppe hat mit den Jugendlichen zusammen ihr eigenes zusätzliches Regelwerk entwickelt: Es werden Dinge vereinbart wie Ausgang, Taschengeld, sauber machen u.s.w. Es gibt regelmäßig Gruppenabende, wo alle anstehenden Schwierigkeiten besprochen werden. Meistens wird selber gekocht und auch der Hausputz wird größtenteils von Jugendlichen und Betreuerinnen und Betreuern erledigt.

Hilfe und Unterstützung erhältst Du, wenn es in der Schule nicht klappt, wenn Du Probleme mit Deinen Freunden und Freundinnen, oder mit Leuten aus Deiner Familie hast. Also bei allem, was Dich belastet.

Einmal im Jahr fährt die Gruppe gemeinsam in Urlaub. Du kannst, wenn Du willst, auch allein Urlaub machen. Das wird mit Dir und Deinen Eltern, manchmal auch mit dem Jugendamt abgesprochen werden.


Gibt es auch Mitbestimmung?

Klar, das ist uns besonders wichtig! Die gibt es durch den Heimrat, den jede Gruppe für sich wählt. Außerdem wirst Du bei allen Gesprächen, wo immer es um Deine Zukunft, Deine Wünsche, Deine Ziele geht, immer beteiligt.


Was ist, wenn ich in der Schule nicht klarkomme, keine Lehrstelle finde?

Da schalten wir uns ein. Wir reden mit Dir, Deinen Lehrern und Deinen Ausbildern, wir schreiben mit Dir Bewerbungen. Wir klären mit Dir, mit Deinen Eltern und Deinem Jugendamt, ob für Dich vielleicht unsere eigene Schule oder unser Ausbildungszentrum in Frage kommt. Bei uns kannst Du auch, wenn es "draußen" erst mal nichts wird, den Hauptschulabschluss machen, oder sogar einen Beruf erlernen.

Johannesstift