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Chronik des Johannesstiftes

Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Einrichtung und des Sozialdienstes katholischer Frauen in Wiesbaden hat die Historikerin Frau Dr. Hedwig Brüchert nach umfangreicher Recherche eine Schrift erstellt, in welcher insbesondere die Ereignisse in der Zeit von der Gründung bis in die 60er Jahre ausführlich beschrieben werden.

1899

Agnes Neuhaus gründet in Dortmund den "Sozialdienst katholischer Frauen".

1906

Mathilde Grossmann, Julie Matuschka-Greifenklau und Anna Schipper gründen in Wiesbaden am 27.12.1906 den "Fürsorgeverein Johannesstift". Er hat die Aufgabe, sich um "gefallene Mädchen" und weibliche Strafgefangene zu kümmern.

1907

Mathilde Grossmann schenkt dem Fürsorgeverein das Gebäude Platter Str. 78. Im Oktober wird das Haus vom Bischof von Limburg geweiht und wird seitdem seiner Bestimmung gemäß unter dem Namen Johannesstift genutzt.

1908

Das Haus wurde erweitert. Es entstand ein geräumiges Säuglingsheim.

1927

Einrichtung einer Entbindungsstation. Als Belegorden wirkten die Kölner Augustinerinnen.

1937-1945

Die Hiltruper Missionschwestern lösten den Vorgängerorden in der Verantwortung ab. Während des zweiten Weltkrieges sah sich das Johannesstift, wie andere konfessionelle Einrichtungen und Dienste auch, Beschränkungen durch die nationalsozialistischen Machthaber ausgesetzt. Das Gebäude wurde durch Bombeneinschlag zerstört. Die fachliche Kompetenz der Ordensschwestern wurde für Entbindungen und Sanitätsdienste benötigt. Das Johannesstift wurde auf Bitten der damaligen Machthaber zum Hilfskrankenhaus. Wahrscheinlich verhinderte das Entgegenkommen der Schwestern die Beschlagnahmung und Nutzung als Säuglings- und Mütterheim durch die NSV (Nationalsozialistische Volksfürsorge), dem Wohlfahrtsverband der NSDAP.

1946-1960

Das Gebäude wurde saniert, ein Anbau geschaffen, die Küche erweitert, Mitarbeiterinnen eingestellt und ehrenamtliche Helferinnen gewonnen. In alten Unterlagen fanden sich zwei vergleichende Statistiken:

  1950 1957
Säuglinge 138 180
Pflegeschülerinnen 24 35
Betten Entbindungsstation 8 12
Vorasyl 7 10
Erziehungsheim 90 85
Angestellte 8 15
Ordensschwestern 24 24
 
An der Pforte des Hauses wurden täglich 
40-50 Nichtsesshafte verköstigt

1963

In einem Neubau entstand eine Kindertagesstätte

1975

Die Wochenstation wurde wegen mangelnder Auslastung geschlossen (40% Geburtenrückgang in Wiesbaden).

1976

Der Träger berief ein Leitungsteam (Hauswirtschaftsleitung, Verwaltungsleitung, Psychologische Leitung und Heimleitung).

1979

Erster weltlicher Gesamtleiter des Johannesstiftes wurde Dipl.-Psychologe Simon Tull. Sein Primärziel, der zeitgemäße Erweiterungsbau für die Erziehungshilfegruppen, ließ sich aus finanziellen Gründen nicht realisieren.

1982

Gründung der "Agnes-Neuhaus-Schule" im 75 Jahre alten Johannesstift.

1983

Nachdem Herr Tull die Einrichtung verlassen hatte, um sich einer anderen Aufgabe zu widmen, wurde dem seit März 1980 im Johannesstift wirkenden Erziehungsleiter Wolfgang Schmidt die Gesamtleitung übertragen. Durch den Verkauf eines Teiles des 10.000 qm großen Grundstücks verfügte der Sozialdienst katholischer Frauen, Ortsgruppe Wiesbaden e.V. über die notwendigen finanziellen Mittel, seine in die Jahre gekommenen Gebäude zu sanieren, die brachliegenden Berufsausbildungsbetriebe zu reaktivieren und die Dezentralisierung der Erziehungshilfe durch Anmietung und Erwerb von Gebäuden in Wiesbadener Stadtteilen voranzutreiben. Die Einrichtung trägt seitdem den programmatischen Namen "Jugendhilfezentrum Johannesstift"

1984

Großbrand im Johannesstift. Während der auf Hochtouren laufenden Sanierungsarbeiten fällt nachts in einem noch nicht ausreichend feuergeschützten Wohnbereich eine Kerze um und zerstört die gesamte Etage. Glücklicherweise wird niemand ernsthaft verletzt. Die Jugendlichen werden im ehemaligen Speiseraum notuntergebracht. Nach viermonatiger Renovierungstätigkeit kann der nun modernsten Ansprüchen gerecht werdende Gruppenbereich wieder bewohnt werden.

1992

Träger des Jugendhilfezentrums Johannesstift wird die neu gegründete WJHG (Wiesbadener Jugendhilfegesellschaft mbH), deren Stammkapital der Sozialdienst katholischer Frauen und der Caritasverband Wiesbaden zu je 50% halten.

1993

Große Hilfsaktion im Rehabilitationszentrum NADESHDA, in der Nähe von Minsk, Weißrussland. Für die strahlenkranken Kinder der Tschernobylkatastrophe wird mit Hilfe der Ausbildungsbetriebe des Johannesstiftes ein ehemaliges Erholungsheim umgebaut.

1997

Das Johannesstift feiert seinen 90sten Geburtstag, der SkF ebenfalls

1999

Die Einrichtung verfügt über 126 entgeltfinanzierte Plätze:
50 zur Durchführung Sozialpädagogische Hilfen (unterschiedliche Formen und Intensitäten der Hilfegewährung), 12 pädagogische Mutter/Vater-Kind-Einheiten, 16 in der Schule für Erziehungshilfe und Kranke, 48 in Berufsvorbereitung und Ausbildung.
Zusammen mit der Gewährung von "Hilfe zur Arbeit" nach §19 BSHG werden 170-180 Menschen von den Fachkräften der Einrichtung assistiert und gefördert.

2001

Nach Abspaltung eines Betriebsteils wird der SkF alleiniger Gesellschafter der WJHG. Die Gesellschaft wird unter dem Namen "Jugendhilfezentrum Johannesstift" fortgeführt.

2005

Nach Einführung des Sozialgesetzbuches II werden im Johannesstift in Umsetzung der sogenannten "Hartz-Gesetzgebung" 50 Plätze für qualifizierende Beschäftigung zur Verfügung gestellt.

2007

Johannesstift und SkF sind 100 Jahre alt.

2009

Baubeginn Multifunktionsgebäude.

2010

Änderung in der Geschäftsführung. 
Geschäftsführer Wolfgang Schmidt begibt sich in Altersteilzeit. Für die ausscheidende Geschäftsführerin Erika Nehrkorn wird Ralf Gisi zum Geschäftsführer ernannt.

2011

Abriss des "Mittelhauses", Bezug des ersten Bauabschnittes des neuen Multifunktionsgebäudes. Die Ausbildungsabteilung, der technische Dienst, die Zentralverwaltung und die jungen BewohnerInnen der Appartements ziehen innerhalb des Geländes um.

2012

Fertigstellung des 2. Bauabschnittes (Bistro, Außenanlage).

2016

Einweihung unseres zweiten Mutter/Vater-Kind-Hauses im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim